RWE – Stellungnahme

Der in unserem Podcasts immer wieder erneut erwähnte Energieversorger RWE hat unsere Interviewanfrage leider abgelehnt. Aus unserem Journalistischen Selbstverständnis heraus bieten wir aber auch RWE eine öffentliche Möglichkeit zur Stellungnahme bezüglich der Thematik.

Nachfolgend finden Sie daher die Stellungnahme der RWE Pressstelle:

Re: Interviewanfrage / Bitte um Stellungnahme

Sehr geehrter Herr Kaiser,

vielen Dank für Ihre Anfrage und Ihr Interesse an unserem Unternehmen. Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass ich aus terminlichen Gründen für ein Interview nicht zur Verfügung stehen kann. Ihrer Bitte um eine schriftliche Antwort komme ich aber sehr gerne nach. Erlauben Sie mir, dass ich dafür ein wenig aushole.

Seit mehr als 125 Jahren produzieren wir bei RWE Strom. Die Verstromung von Braunkohle war dabei lange Zeit unverzichtbar, um den steigenden Bedarf Deutschlands an sicherem und bezahlbarem Strom zu decken. Wegen der lockeren Erdschichten über den Flözen kann die Braunkohle im Rheinischen Revier nur im offenen Tagebau gewonnen werden. Dies erfordert leider Eingriffe in die intensiv genutzte und dicht besiedelte Kulturlandschaft der Niederrheinischen Bucht und in das Leben der betroffenen Menschen.

Das Kapitel Umsiedlung ist mittlerweile abgeschlossen und RWE hat vor einigen Jahren bereits eine grundlegende Transformation des Unternehmens eingeleitet. RWE ist schon heute einer der größten Erzeuger für Erneuerbare Energien nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Allein im Rheinischen Revier bauen oder betreiben wir neun Windparks mit mehr als 240 MW Leistung und sieben Solaranlagen mit einer Leistung von 115 MWp. Darüber entwickeln wir zahlreiche neue Erneuerbare-Energien-Projekte in der Region, um diese Zahlen schon bis 2030 massiv zu steigern. Gleichzeitig stehen wir in der Verantwortung, den Strukturwandel im Revier aktiv zu unterstützen und die von uns zur Stromerzeugung genutzten Flächen zu rekultivieren, um für die Menschen in der Region ein lebenswertes, attraktives Umfeld zu schaffen. Damit schaffen wir auch Perspektiven für unsere eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Derzeit haben wir noch rund 7.000 Beschäftigte in der Braunkohle, von denen einige bereits beim Ausbau der Erneuerbaren Energien maßgeblich unterstützen. Gleichwohl werden wir in Zukunft weniger Arbeitskräfte im Rheinischen Revier benötigen. Wir werden den mit dem Kohleausstieg verbundenen Personalabbau sozialverträglich gestalten. Das zeichnet uns als Unternehmen aus und ist uns auch weiterhin wichtig.

Verantwortungsvolles Handeln war schon immer unser Anspruch. Unsere Arbeiten waren stets von den Behörden genehmigt und standen zu jeder Zeit im Einklang mit den geltenden gesetzlichen Bestimmungen und den energiepolitischen Rahmenbedingungen der jeweiligen Regierungen. Die Inanspruchnahme der ehemaligen Siedlung Lützerath war Teil einer umfassenden politischen Verständigung des zuständigen Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz und des Ministeriums für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen sowie RWE. Diese wurde im Oktober 2022 der Öffentlichkeit vorgestellt und sieht u. a. vor, dass RWE den ursprünglich geplanten Kohleausstieg um 8 Jahre auf 2030 vorzieht. Das entspricht einer Halbierung der bislang vorgesehenen Laufzeit von Kohlekraftwerken des Unternehmens. Mit dem Vorziehen des Kohleausstiegs wurde die gewinnbare Kohlemenge aus Garzweiler etwa halbiert, so dass im Tagebau Garzweiler der dritte Umsiedlungsabschnitt mit den zum Teil noch bewohnten Ortschaften Keyenberg, Kuckum, Oberwestrich, Unterwestrich und Berverath einschließlich der drei Holzweiler Höfe (Eggeratherhof, Roitzerhof, Weyerhof) erhalten bleibt. Das Abbaufeld, in dem die ehemalige Siedlung Lützerath lag, wurde bereits 1995 genehmigt. Die ursprünglich knapp 100 Einwohner sind alle bereits vor Jahren umgesiedelt – mehrheitlich in den rund acht Kilometer entfernten Ort Neu-Immerath.

Die Kohle unter der ehemaligen Siedlung Lützerath, im unmittelbaren Vorfeld des Tagebaus, wurde in der Energiekriese infolge des Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine zeitnah benötigt, um in dieser Zeit die Braunkohlenflotte mit hoher Auslastung zu betreiben. Damit wurde Erdgas, das durch den Krieg in der Ukraine ein knappes Gut geworden war, aus der Stromerzeugung verdrängt. Die zeitweise verstärkte Nutzung der Braunkohle konnte nur mit einem planmäßigen Tagebaufortschritt gelingen. RWE hatte die Notwendigkeit der Inanspruchnahme des Gebietes intensiv geprüft. Unabhängige Gutachten, die das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen in Auftrag gegeben hatte, haben diese Notwendigkeit klar bestätigt. Darüber hinaus wurden große Mengen an Kies und Sand für eine hochwertige Rekultivierung gewonnen.

Versorgungssicherheit durch Braunkohle und eine hochwertige Rekultivierung der in Anspruch genommenen Flächen gehen Hand in Hand. Im Abbaufeld Garzweiler wird seit mehr als 100 Jahren Braunkohle gefördert. Der Tagebau ging vom Grevenbroicher Stadtgebiet aus und liegt heute schwerpunktmäßig im Rhein-Kreis Neuss und im Kreis Heinsberg. Dazwischen erstrecken sich, wie vor dem Eingriff des Bergbaus vor allem ausgedehnte Ackerflächen, die im Zuge der Rekultivierung angelegt wurden. Grünzüge und Windparks gliedern die neue Börde, die mittlerweile eine hohe Biodiversität aufweist. Bei der weltweit anerkannten Rekultivierung legen wir höchste Maßstäbe an und lassen beispielsweise den Erfolg unserer Maßnahmen zur Erhöhung der Artenvielfalt wissenschaftlich begleiten. 

RWE steht zu ihrer Verantwortung, den Braunkohlenbergbau für die Menschen in der Region verantwortungsvoll zu einem guten Ende zu führen. In diesem Sinne werden wir auch weiterhin dafür Sorge tragen, die Rekultivierung mit hoher Qualität umzusetzen und den nachfolgenden Generationen eine hochwertige Wald- und Seenlandschaft zu hinterlassen. Nach dem Ende der Kohleförderung werden Tagebauseen wie der Garzweiler See Teil dieser Landschaften. Sie werden perspektivisch das Bild des Rheinischen Reviers maßgeblich prägen, neue Chancen für Wirtschaft und Tourismus schaffen und sind seit vielen Jahren gesellschaftlicher Konsens in der gesamten Region. An diesen Planungen, die den Leitentscheidungen der Landesregierung NRW folgen, sind die Nachbarkommunen und die Menschen in der Region unmittelbar beteiligt und können sich in den Gestaltungsprozess einbringen.

Über die Planung der neuen Landschaft am künftigen Garzweiler See informiert auch die „Landfolge Garzweiler“, in der die Nachbarkommunen des Tagebaus organisiert sind: https://landfolge.de/

Weitere Informationen zum Thema Rekultivierung finden Sie hier: https://www.rwe.com/verantwortung-und-nachhaltigkeit/umweltschutz/rekultivierung/

Beste Grüße

Stephanie Schunck

RWE AG

Group Communications & Public Affairs

RWE Platz 1, 45141 Essen, Germany